Das A-Feld und die Kraft der Kohärenz

Von Ervin Laszlo

Wir leben in einem von Information durchwirkten, seiner Essenz nach intelligenten Universum – einem Universum, in dem sämtliche Teile mit sämtlichen anderen Teilen verbunden sind, so dass sie ein integrales, durch und durch ko evolutionäres Ganzes bilden. Wir sind ein Teil dieses Weltganzen. Wir sind Teil seiner Struktur, seiner Ordnung, wir greifen auf die ihm innewohnende, beständig anwachsende Intelligenz zu und tragen zu deren Wachstum bei. Unser Leben und unsere Existenz können somit weder sinn– noch zwecklos sein.
Was aber ist Sinn und Zweck der menschlichen Existenz? Ganz einfach ausgedrückt, ist es Sinn und Zweck unserer Existenz, die Evolution des Menschen auf diesem Planeten voranzutreiben. Das mag wie ein abstraktes Ideal klingen, das kaum mit unseren täglichen Belangen zu tun hat – aber weit gefehlt: Nichts könnte konkreter, praxisrelevanter und dringlicher sein!
Wir zählen derzeit zu den bedrohten Arten, und wir bedrohen andere Arten – vielleicht sogar das Leben auf diesem Planeten als Ganzes. Das liegt daran, dass wir die einzige Spezies auf diesem Planeten sind, die deutlich unterhalb ihres natürlichen Kohärenzpotenzials lebt und handelt. »Kohärenz« heißt »Zusammenhang« und meint hier die unauflösbare Verschränkung von allem mit allem in einem kohärenten Universum.
Unsere mangelnde Kohärenz, das heißt unsere absurde intellektuelle Trennung vom Weltganzen, wirkt sich auf die gesamte Biosphäre aus. Dabei weist das Universum selber ein erstaunliches Maß an Kohärenz auf. Es handelt sich um eine Kohärenz der kleinsten messbaren Einheiten der physischen Welt, der sogenannten Quanten. Diese »Quantenkohärenz« ist eine unmittelbare, permanente, Zeit und Raum überspannende Verbundenheit. Ein quantenkohärentes System – mikroskopisch, makroskopisch oder galaktisch – verfügt über unmittelbare und intrinsische, das heißt aus sich selbst heraus wirkende Verbindungen. Alle Bestandteile kommunizieren mit allen anderen Bestandteilen, und das Gesamtsystem drückt die »Gemeinschaft« seiner Teile aus.
Alles, was wir über die Kohärenz des Universums wissen, deutet darauf hin, dass es ein kosmisches Informationsfeld gibt, das ich »A Feld« nenne und das gewissermaßen die Unterlage für die manifesten Bereiche Raum und Zeit bildet. Es verbindet das Universum und alle Dinge in ihm unmittelbar und permanent miteinander. Auf der astronomischen Ebene zeigt sich das an den Galaxien, Sternensystemen und anderen Makrostrukturen: Sie entwickeln sich kohärent – miteinander verschränkt –, sogar wenn die Entfernung zwischen ihnen so groß ist, dass sie seit dem hypothetischen Urknall selbst mit Lichtgeschwindigkeit nicht hätte zurückgelegt werden können.

Kohärenz hält Makro– und Mikrokosmos zusammen
Nicht nur die makroskopische Welt des Universums ist kohärent, auch die mikroskopische Welt der Quanten. Als kleinste messbare Informations– und Energieeinheit verhält sich das Quant über räumliche und zeitliche Entfernungen hinweg kohärent zu allen anderen Quanten. Diese über das A-Feld übermittelte, nicht-lokale Kohärenz zeigt sich, wenn Wissenschaftler ein Quant spalten und die beiden Hälften eine beliebige endliche Entfernung zueinander zurücklegen lassen. Misst man nun bei einer der Hälften eine bestimmte Eigenschaft des Quantenzustands, kann man an der anderen Hälfte die Auswirkungen der Messung beobachten; das ist das berühmte Einstein-Podolski-Rosen-Experiment (EPR). Die beiden Hälften können unzählige Kilometer voneinander entfernt sein, und es gibt keinen Grund zur Annahme, dass die Messung der einen Hälfte eine Auswirkung auf die andere haben sollte. Und doch ist es so. Der Effekt findet unmittelbar statt und wird nicht durch Licht, Energie oder andere nach dem derzeitigen Stand der Physik bekannte physische Signale übermittelt. Es scheint, als »wüssten« – vielleicht sollte ich eher sagen: »fühlten« – die »Halb«teilchen, was dem jeweils anderen widerfährt.
Im Gewebe des Lebens auf diesem Planeten zeigt sich eine analoge Form von Kohärenz. Bereits Bakterien verarbeiten die Energie der Sonne durch Quantenkohärenz; anders hätten sie den Evolutionsprozess auf der Erde nicht in Gang setzen können. Auch hochentwickelte Säugetiere und jede beliebige Zwischenspezies hätten sich ohne Quantenkohärenz nicht entwickeln können. Denn die Nische, in der sich eine Spezies wiederfindet und aus der sie ihre Lebensgrundlage bezieht, ist nicht unveränderlich: Sie wandelt sich, manchmal geringfügig, manchmal radikal. Die Organismen müssen sich an diese Veränderungen anpassen, denn sie brauchen beständig frische Energie aus ihrem Umfeld, um am Leben zu bleiben. Das erfordert präzise Anpassungen an die Bedingungen in der Umwelt – und das kann nicht das Ergebnis rein zufälliger Veränderungen im Gencode einer Spezies sein, denn es ist viel wahrscheinlicher, dass zufällige Veränderungen des Genoms das Maß an Anpassungsvermögen einer Spezies verringern als vergrößern. Dennoch ist den Lebewesen auf der Erde das Meisterstück geglückt, selbst radikale klimatische und ökologische Veränderungen zu überleben – und manche überlebten nicht nur, sondern entwickelten sich auch weiter.

Über das A-Feld wird alles, was existiert, informiert
Durch das A-Feld werden lebende Spezies ständig, wenn auch auf höchst subtile Weise, durch ihr Umfeld mit Informationen »geimpft«. Dank dieser »In-Formierung« kann das Genom bedrohter Arten präzise Anpassungen vornehmen, die das Überleben des Organismus unter veränderten Umweltbedingungen sichern. Die wechselseitigen Verbindungen quantenkohärenter Organismen sind Ursache dafür, dass sich Mutationen von Zeit zu Zeit durchsetzen konnten und die Biosphäre heute komplexere Arten als Bakterien und Blaualgen beheimatet. Auch unser Gehirn ist quantenkohärent. Es ist ebenfalls an das kosmische Kommunikationsnetzwerk des A Felds angeschlossen.
Woher wissen wir, dass unser Gehirn und somit unser Bewusstsein über solche »nicht-lokalen« Verbindungen verfügt? Müssten wir diese dann nicht selbst erfahren? Tatsächlich erleben wir diese Verbindung in tiefen Bewusstseinszuständen, nicht aber im Wachbewusstsein, das Erfahrungen, die unser Gehirn über seinen quantenkohärenten Zugang zum A-Feld erreichen, verdrängt, da sie nicht über Augen, Ohren, Nase, Gaumen oder Tastsinn vermittelt werden.
Verdrängen wir die Erfahrungen tieferer Verbundenheit aus unserem Bewusstsein, so vergessen wir, dass sie existieren, und tun sie selbst dann als Fantasiegespinste ab, wenn sie unser Bewusstsein durchdringen. Bei Kindern bis zum Alter von vier oder fünf Jahren stellen sich solche Erfahrungen spontan ein, aber wir lehren sie, es uns gleichzutun. Dichter, Künstler und selbst führende Wissenschaftler und Philosophen machen in allen Lebensabschnitten Spontanerfahrungen, die sich als Quell der Kreativität und Inspiration erweisen. Spontanerfahrungen spiritueller Menschen vermitteln tiefe Erkenntnisse über Gott und die Welt. Und traditionell lebende Menschen, insbesondere Schamanen und Medizinleute kultivieren Spontanerfahrungen, da sie ihnen Macht und Privilegien verleihen.
Auch wir modernen Menschen können über das A-Feld übermittelte Spontanerfahrungen machen, müssen uns angesichts unseres vorherrschenden Bewusstseins jedoch in einen veränderten Bewusstseinszustand versetzen, um diese wahrnehmen zu können. Bei intensiven Emotionen, Traumata, Ekstasen und in der meditativen oder betenden Versenkung können Erkenntnisse und Informationen in unser Wachbewusstsein einfließen, die nicht durch unsere Sinne übermittelt werden. Die meisten westlichen Zeitgenossen verdrängen und leugnen nicht-sinnliche Spontanerfahrungen, und das ist ein Problem: Wer der festen Überzeugung ist, solche Erfahrungen seien Illusionen, wird sie auch nicht machen. Als Folge ist sein Handeln nicht von Kohärenz zu anderen Menschen und zur Natur geprägt, sondern losgelöst vom Rest der Welt. Die daraus entstehende Tragik geht weit über das betreffende Individuum hinaus und berührt unsere Spezies als Ganze, ja das gesamte Leben auf der Erde.


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